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An Gleim

Beschreibung:  Ein Gedicht von Johann Heinrich Voß
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ISBN: 3518381075   ISBN: 3518381075   ISBN: 3518381075   ISBN: 3518381075 
 
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An Gleim.


Hoch durchwandl’ ich Gewölk, von der Mus’ um die Fersen gefittigt;
Rings säuselt Äther, unten fliehn
Waldungen, Äcker und Seen,

Thürmende Städt’ und Dörfer, und uneinladende Wildnis.
Nach deiner Hütt’, Altvater Gleim,
Wandl’ ich dämonische Bahn,

Jugendlich blühender Greis! nein, du graulockiger Jüngling!
Deutschlands und Preussens frömmster Sohn,
Bieder in That und Gesang!

So, wenn dem Mai aufgrünen die Erstlinge, schreiten die Luft durch,
Zu grüssen Deutschlands Genius,
Elfen und Elfinnen rings

Aus teutonischen Gaun zur erhabensten Kuppe der Brockens,
Dass Obst, Getreid’ und Rebenhöhn
Fruchtende Segen empfahn;

Fern dann stralt durch die Nacht wohlthätiger Genien Reihntanz,
Obzwar von Spuk unholder Schau
Fabelte Jäger und Mönch:

So an deinem Altare der Menschlichkeit, den, mit der Charis,
Die Mus’ im hellen Chor umschwebt,
Sammel’ ich edelen Keim,

Edelen Keim zu That und Gesang friedseliger Weisheit,
Rastloses Biedermuts, und nie
Altender Jugendlichkeit.

Als in dem hehren Gemach, wo vordem Kleist schlummerte, selber
Ich neulich ruht’ im Morgentraum,
Leuchtete plözlich ein Glanz;

Siehe, der Sänger und Held mit ätherischem Frühlingslächeln
Erschien, und sprach in holdem Laut:
„Friede dir, jüngerer Freund

„Unseres Gleim, und lebt’ ich, der meinige! Fried’ in der Wohnung,
„Wo mich und unsren Lessing oft
„Seliger Friede gelabt:

„So wie mit Varius einst durch Tiburs Gärten und Flaccus
„Der sanfte Maro traulich ging,
„Und im elysischen Thal

„Traulich sie gehn mit einander, mit uns, und den Barden der Vorwelt,
„Neidlose Seelen, all’ in Lieb’
„Ewiger Schöne vereint!

„Auch ein Verbündeter Gleims, des vaterländischen Sängers,
„Und mein, der starb fürs Vaterland,
„Athme du preussischen Sinn!

„Heilige Religion der Vernunft, dich, Flamme der Gottheit,
„Hätt’ überdunkelt Pfaffennacht;
„Waltete Friederich nicht;

„Waltete nicht, gleichherzig dem Grossoheime, der Jüngling,
„Der, still im Weltaufruhr, ein Fels,
„Hemmt den umwogenden Sturm;

„Der sein hoffendes Volk in Fried’ und Gerechtigkeit weidet,
„Und samt der schönen Hirtin gern
„Musengesänge belauscht."

  
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